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Hexenkessel Bieberer Berg
Der Verein Kickers Offenbach wurde am 27.05.1901 im Restaurant ´Rheinischer Hof` gegründet. Die Kickers spielten von 1902 bis 1907 auf dem Exerzierplatz am Bieberer Berg bevor der Verein zur ´Heylandsruhe` in die Gemarkung Bürgel, die damals bis zum Buchhügel reichte, wechselte. Am 29.05.1921 zog man dann endgültig auf den Bieberer Berg und verließ ihn nie mehr. An jenem 29. Mai verfolgten 12.000 begeisterte Zuschauer das erste Spiel auf der neu geschaffenen Sportplatzanlage, was gegen Wacker München mit 3:5 verloren ging, und stellten damit einen neuen Besucherrekord in Offenbach auf. Zum Einweihungsfest präsentierte sich der Bieberer Berg in einem für die damaligen Zeit sehr modernen Gewand . In den `goldenen` OFC-Jahren von 1950 bis 1976 entstand dann das heute noch existente Stadion. Es wurde nach und nach 1952 die überdachte Stehtribühne (Gegengrade), 1962 die Haupttribüne, 1973 die Südosttribüne ( heutige Oriontribüne), sowie die Stahlrohrtribüne erbaut.
Das erste Flutlicht (4Masten) wurden im Juli 1956 installiert, doch es schon 1959 wieder abgerissen. 1968 wurde dann das ´Wahrzeichen` des Bieberer Bergs errichtet. Die 2-Masten-Anlge mit je 400 Lux Leistung ist schon von weiter Entfernung zu erkennen und treibt so manch anreisendem Spieler der gegnerischen Mannschaft bereits den Angstschweiß auf die Stirn. Brennen die Lampen erst einmal, wird aus dem Offenbacher Hexenkessel schnell das Tollhaus Bieberer Berg. Die unheimliche Nähe der für Spieler nicht sichtbaren Zuschauer, die Reduzierung durch die Scheinwerferkegel auf das Wesentliche innerhalb der Umzäunung, schafft jene Dichte der Emotionen, die es den jeweiligen Gegner schwer macht, den Bieberer Berg unter Flutlicht siegreich zu verlassen. Die einmalige Atmosphäre unter veranlaßt sogar bis heute Konkurrenten (z.B. Borussia Fulda Mai 98) einen Auftritt unter Flutlicht kategorisch abzulehnen. Die Einweihung der Anlage brachte dem OFC auch den bis heute gehaltenen Zuschauerrekord: 33.000 sahen das Match gegen den TSV 1860 München, das leider verloren ging.
Zum Jahreswechsel 1991/1992 drohte einem der schönsten und charmantesten Stadien Deutschlands das Ende. Die Stadt Offenbach zog es allen Ernstes in Erwägung, den Bieberer Berg zu verkaufen und durch einen Privatinvestor ein ´Freizeitzentrum` auf das Gelände er-richten zu lassen. Laut kicker-Sportmagazin standen die Planierraupen für den Abriß schon bereit. Die Sportseiten der Rhein-Main-Presse waren voll mit Berichten des unmittelbar bevorstehenden Abrisses der traditionsreichen Arena. Spekulationen und Gerüchte machten die Runde. Was nun kam, hätten sich die Offenbacher Stadt-Oberen nicht träumen lassen. Eine Lawine war losgetreten. Beschwerden und Drohungen an die Stadt Offenbach, unzählige Protestbriefe der Fans (z.B. “Auch Fußballfans wählen.” ), sowie unterschiedliche Aktionen waren die Folge. Auch viele prominente Sportler aus ganz Deutschland äußerten ihr Unverständnis über diese geplante Maßnahme. Die Fans sammelten einige tausende Unterschriften, die Lokalzeitung Offenbach Post startete die Aktion `Rettet den Bieberer Berg´ und forderten die Leser auf , Coupons zum Erhalt der Arena auszufüllen und zurückzusenden. Den Auftakt einer Reihe Benefizveranstaltungen unter dem Motto `Rettet den Bieberer Berg´ bildeten das Vorspiel zum Oberligamatch des OFC gegen Rot-Weiß Frankfurt. Beim Spiel der Auswahl ehemaliger Nationalspieler gegen eine Mannschaft ehemaliger Kickers-Größen (u.a. Erwin Kostedde und Horst `Pille´ Gecks ) waren fast 14.000 Zuschauer zugegen. Zu einem Oldie-Festival gaben sich Suzi Quatro und Middle of the Road die Ehre auf dem Bieberer Berg. Durch die eingenommenen Gelder konnte 1993/1994 das marode Haupttribünen renoviert werden.
Schließlich wurde die Stadt Offenbach weichgeklopft. Sie hielt dem Protest der Fanmassen nicht stand. Im Frühjahr kam für alle Kickers-Anhänger der erlösende Moment: Die Kickers übernahmen den Bieberer Berg in Erbpacht. Der Erhalt und die Pflege des Stadions lag nun in der Verantwortung des Vereins, der große Anstrengungen unternehmen mußte, das Notwendigste zu bezahlen zu können.
Doch zumindest war der Erhalt des traditionsreichen Stadions gesichert. In dem ab dem Jahr 1995 immer mehr die Fans in Punkto Renovierungen in Aktion traten.
In den Jahren 1999/2000 wurde der Bieberer Berg modernisiert, die Stahlrohrtribüne neu aufgebaut und die Anzeigetafel, nach fast zweijährigen Bau, fertiggestellt. Das heutige Fassungsvermögen liegt bei 33.000 Zuschauern.
Der Bieberer Berg ist und bleibt – nicht zuletzt ob der großartigen Stimmung – eine der Kultstätten des deutschen Fußballs.
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